Der Bodengrund gehört zu den ersten Dingen, die beim Einrichten eines Aquariums ausgewählt werden müssen. Dabei geht es längst nicht nur um die Optik. Aquarienkies, Sand, Soil und andere Bodengründe beeinflussen das Pflanzenwachstum, das Verhalten der Tiere, die Reinigung und teilweise sogar die Wasserwerte.
Welcher Bodengrund geeignet ist, hängt deshalb davon ab, welches Aquarium man einrichten möchte und welche Tiere und Pflanzen darin leben sollen.
Ein Gesellschaftsaquarium mit Pflanzen stellt andere Anforderungen als ein Aquarium für Panzerwelse, Garnelen oder spezielle Wasserpflanzen.
Warum ist Bodengrund im Aquarium wichtig?
Der Bodengrund erfüllt mehrere Aufgaben gleichzeitig.
Er bildet zunächst die Grundlage für die Gestaltung des Aquariums. Steine, Wurzeln und Pflanzen lassen sich darin befestigen und das Aquarium erhält dadurch seine natürliche Struktur.
Darüber hinaus können sich im Bodengrund zahlreiche Mikroorganismen ansiedeln. Besonders in den oberen Bereichen des Bodens findet ein reger Austausch zwischen Wasser, Bakterien und organischem Material statt.
Für viele Aquarienbewohner ist der Bodengrund außerdem ein wichtiger Lebensraum. Fische suchen darin nach Nahrung, Garnelen weiden Oberflächen ab und manche Arten graben sich teilweise in den Boden ein.
Bei bepflanzten Aquarien kommt eine weitere Funktion hinzu: Pflanzen können ihre Wurzeln im Bodengrund verankern und dort Nährstoffe aufnehmen.
Aquarienkies – der klassische Bodengrund
Aquarienkies gehört zu den am häufigsten verwendeten Bodengründen.
Er ist in unterschiedlichen Körnungen und Farben erhältlich und eignet sich für viele klassische Gesellschaftsaquarien.
Je nach Körnung kann Kies beispielsweise grob oder fein sein. Für ein natürlich wirkendes Aquarium werden häufig eher dezente Farbtöne wie Braun, Beige, Grau oder Schwarz verwendet.
Vorteile von Aquarienkies
- vielseitig einsetzbar
- in vielen Körnungen erhältlich
- relativ einfach zu reinigen
- Pflanzen lassen sich gut einsetzen
- bietet Halt für Dekorationen und Wurzeln
- optisch sehr unterschiedlich gestaltbar
Allerdings ist Kies nicht gleich Kies. Besonders wichtig ist die Körnung und Beschaffenheit der Oberfläche.
Feiner oder grober Kies?
Bei der Wahl der Körnung sollte man den späteren Besatz berücksichtigen.
Grober Kies lässt relativ viel Wasser zwischen den einzelnen Körnern hindurch. Futterreste und andere organische Bestandteile können allerdings ebenfalls zwischen die Körner gelangen.
Feinerer Kies lässt sich bei bestimmten Aquarienbewohnern besser einsetzen. Gleichzeitig sollte er nicht so fein und verdichtet sein, dass der Bodengrund stark zusammenbackt.
Für viele Gesellschaftsaquarien ist eine feine bis mittlere Körnung ein guter Kompromiss.
Sand – besonders interessant für Bodenbewohner
Aquariensand ist deutlich feiner als Kies.
Er eignet sich besonders für Fische, die gerne am Boden nach Nahrung suchen oder den Bodengrund durchwühlen.
Panzerwelse beispielsweise bewegen beim Fressen häufig Sand durch das Maul. Für solche Arten kann feiner, abgerundeter Sand eine gute Wahl sein.
Auch viele andere Bodenbewohner profitieren davon, wenn sie sich problemlos auf oder in einem feinen Bodengrund bewegen können.
Worauf sollte man bei Sand achten?
Der Sand sollte für die Aquaristik geeignet und frei von unerwünschten Zusätzen sein.
Sehr feiner Sand kann sich stärker verdichten als Kies. Deshalb ist eine sinnvolle Gestaltung und Pflege wichtig.
Außerdem sollte man nicht davon ausgehen, dass Sand grundsätzlich „schlechter“ für Pflanzen ist. Auch in Sand können Pflanzen wachsen. Je nach Pflanzenauswahl und Nährstoffversorgung kann allerdings ein zusätzlicher Nährboden oder eine gezielte Flüssig- beziehungsweise Wassersäulendüngung sinnvoll sein.
Soil – besonders für Pflanzenaquarien
Aquasoil unterscheidet sich deutlich von klassischem Kies oder Sand.
Soil wird häufig in stärker bepflanzten Aquarien eingesetzt und ist besonders bei sogenannten Aquascapes beliebt.
Je nach Produkt kann Soil die Wasserwerte beeinflussen und beispielsweise den pH-Wert und die Karbonathärte verändern.
Das kann gewünscht sein, sollte aber bei der Planung berücksichtigt werden.
Soil ist deshalb nicht einfach ein dekorativer Bodengrund, den man beliebig in jedes Aquarium geben kann.
Wer Soil verwendet, sollte die Eigenschaften des konkreten Produkts kennen und die Wasserwerte kontrollieren.
Nährboden für Aquarienpflanzen
Neben Kies, Sand und Soil gibt es spezielle Nährböden beziehungsweise Substrate für Pflanzen.
Sie können unter einer sichtbaren Schicht aus Kies oder Sand eingebracht werden.
Die Idee dahinter ist, den Pflanzen im Wurzelbereich zusätzliche Nährstoffe zur Verfügung zu stellen.
Das kann bei stark bepflanzten Aquarien sinnvoll sein. Allerdings benötigen nicht alle Aquarienpflanzen einen speziellen Nährboden.
Viele Pflanzen nehmen einen großen Teil ihrer Nährstoffe über die Wassersäule auf, während andere stärker über die Wurzeln versorgt werden.
Bodengrund und Aquarienpflanzen
Bei der Auswahl sollte man deshalb auch die Pflanzen berücksichtigen.
Rosettenpflanzen wie beispielsweise Echinodorus oder Cryptocorynen bilden einen ausgeprägten Wurzelbereich und können von einem geeigneten Bodengrund profitieren.
Andere Pflanzen, insbesondere viele Aufsitzerpflanzen, benötigen dagegen keinen tiefen Nährboden. Sie werden beispielsweise auf Wurzeln oder Steinen befestigt.
Auch Stängelpflanzen haben andere Ansprüche als Pflanzen, die hauptsächlich über ihre Wurzeln Nährstoffe aufnehmen.
Der beste Bodengrund ist daher immer abhängig von der geplanten Bepflanzung.
Wie hoch sollte der Bodengrund sein?
Auch bei der Höhe gibt es keine universelle Vorgabe.
Eine sehr dünne Schicht bietet wenig Gestaltungsmöglichkeiten und erschwert bei manchen Pflanzen das sichere Einsetzen.
Eine sehr dicke Schicht kann dagegen unnötig viel Platz im Aquarium einnehmen.
Für viele klassische Aquarien hat sich eine Bodengrundhöhe von einigen Zentimetern bewährt. Bei stärker bepflanzten Aquarien oder speziellen Bodengrundsystemen kann der Aufbau bewusst höher gestaltet werden.
Eine leichte Erhöhung des Bodens nach hinten kann außerdem für mehr räumliche Tiefe sorgen.
Bodengrund richtig vorbereiten
Viele mineralische Bodengründe enthalten feinen Staub, der während des Transports entsteht.
Aquarienkies sollte deshalb vor dem Einbringen in das Aquarium gründlich gespült werden – sofern der Hersteller dies für das jeweilige Produkt empfiehlt.
Dazu gibt man den Kies beispielsweise portionsweise in einen sauberen Eimer und spült ihn mit Wasser, bis das Wasser deutlich klarer bleibt.
Reinigungsmittel oder Seife haben dabei nichts im Aquarienkies zu suchen.
Bei Soil sollte man dagegen unbedingt die Herstellerangaben beachten. Soil wird je nach Produkt teilweise nicht wie klassischer Kies gewaschen.
Kann man normalen Kies oder Steine aus der Natur verwenden?
Hier ist Vorsicht angebracht.
Nicht jeder Stein oder Kies aus dem Garten, Wald oder von einem Gewässer ist für ein Aquarium geeignet.
Naturmaterialien können beispielsweise Stoffe enthalten, die die Wasserwerte beeinflussen. Außerdem können Schmutz, organisches Material oder unerwünschte Organismen eingebracht werden.
Bei kalkhaltigen Steinen kann beispielsweise die Wasserhärte beeinflusst werden.
Wer Natursteine verwenden möchte, sollte deshalb wissen, aus welchem Material sie bestehen und ob sie für das geplante Aquarium geeignet sind.
Kalkhaltige Steine erkennen
Eine einfache Möglichkeit, bestimmte kalkhaltige Materialien zu überprüfen, ist ein Säuretest.
Reagiert ein Stein deutlich mit einer geeigneten Säure und bildet Bläschen, kann dies auf Carbonate beziehungsweise kalkhaltiges Material hinweisen.
Das bedeutet nicht automatisch, dass der Stein ungeeignet ist.
Für ein Aquarium mit hartem Wasser kann ein solcher Einfluss sogar gewünscht sein. Für ein Aquarium mit Weichwasserbesatz kann er dagegen unerwünscht sein.
Entscheidend ist deshalb immer:
Passt der Stein zu den gewünschten Wasserwerten und zum Besatz?
Kann Bodengrund die Wasserwerte verändern?
Ja.
Das wird bei der Einrichtung eines Aquariums häufig unterschätzt.
Einige Materialien sind weitgehend inert und verändern die Wasserwerte kaum. Andere können Mineralien abgeben oder chemische Eigenschaften des Wassers beeinflussen.
Besonders bei Soil ist eine Wirkung auf pH-Wert und Härte möglich.
Auch bestimmte Steine können die Wasserchemie verändern.
Wer empfindliche Fische oder Wirbellose pflegt, sollte deshalb nicht nur nach dem Aussehen entscheiden.
Bodengrund für Garnelen
Bei Garnelenaquarien hängt die Auswahl stark vom gewünschten Setup und den gehaltenen Garnelenarten ab.
Für ein einfaches Gesellschafts- oder Garnelenaquarium kann neutraler Kies eine unkomplizierte Lösung sein.
Bei speziellen Weichwasser-Setups kommen dagegen häufig aktive Soil-Bodengründe zum Einsatz.
Hier ist es besonders wichtig, die Wasserwerte und die Anforderungen der jeweiligen Garnelenart zu berücksichtigen.
Bodengrund für Panzerwelse
Panzerwelse suchen ihre Nahrung häufig direkt am Boden.
Für sie ist deshalb ein feiner, abgerundeter Bodengrund besonders interessant.
Scharfkantiger Kies sollte vermieden werden, wenn dadurch Verletzungen an den empfindlichen Barteln oder am Maulbereich begünstigt werden könnten.
Feiner Sand ermöglicht den Tieren außerdem ihr natürliches Such- und Gründelverhalten.
Bodengrund für Schnecken
Viele Schnecken bewegen sich direkt auf dem Bodengrund und suchen dort nach Nahrung.
Für die meisten gängigen Aquarienschnecken ist ein geeigneter feiner bis mittlerer Bodengrund problemlos nutzbar.
Bei Arten, die sich gerne eingraben, sollte man zusätzlich berücksichtigen, dass der Bodengrund dies ermöglichen muss.
Dunkler oder heller Bodengrund?
Die Farbe ist zunächst eine Geschmacksfrage.
Allerdings kann sie auch die Wirkung des Aquariums und das Verhalten bestimmter Tiere beeinflussen.
Auf einem dunklen Bodengrund kommen viele Pflanzen und farbenprächtige Fische besonders deutlich zur Geltung.
Heller Sand wirkt dagegen häufig sehr natürlich und eignet sich beispielsweise hervorragend für bestimmte Biotop- oder Südamerika-Aquarien.
Sehr auffällige Farben können zwar interessante Akzente setzen, wirken aber schnell weniger natürlich.
Wer ein möglichst naturnahes Aquarium gestalten möchte, fährt mit natürlichen Farbtönen meistens gut.
Schwarzer Kies – schön, aber nicht immer unproblematisch
Schwarzer Aquarienkies ist beliebt, weil er Farben von Fischen und Pflanzen hervorheben kann.
Bei der Auswahl sollte man allerdings nicht allein auf die Farbe achten.
Entscheidend sind Material, Oberfläche und Qualität des Produkts.
Sehr dunkler Bodengrund kann außerdem Verschmutzungen teilweise stärker sichtbar machen. Das kann durchaus ein Vorteil sein, weil man schneller erkennt, wann eine Reinigung erforderlich ist.
Muss man den Bodengrund reinigen?
Der Bodengrund sollte grundsätzlich Teil der normalen Aquarienpflege sein.
Wie intensiv er gereinigt werden sollte, hängt jedoch stark vom Aquarium ab.
In einem bepflanzten Aquarium mit vielen Bodenlebewesen sollte man nicht ständig den kompletten Bodengrund durchwühlen.
Bei Kies kann beispielsweise ein Mulmsauger verwendet werden, um angesammelte organische Rückstände gezielt zu entfernen.
Bei Sand ist eine andere Vorgehensweise sinnvoll. Hier sollte man nicht einfach tief in den gesamten Bodengrund hinein saugen, da Sand leicht mit abgesaugt werden kann.
Mulm ist nicht automatisch schlecht
Ein sauber aussehendes Aquarium bedeutet nicht, dass jeder kleine Rest aus dem Bodengrund entfernt werden muss.
Mulm besteht unter anderem aus abgestorbenem organischem Material, Mikroorganismen und feinen Partikeln und gehört zum natürlichen Stoffkreislauf eines Aquariums.
Ein Aquarium sollte deshalb nicht steril gehalten werden.
Ziel der Pflege ist vielmehr, übermäßige Ablagerungen zu vermeiden und gleichzeitig das biologische Gleichgewicht zu erhalten.
Häufige Fehler bei der Bodengrundwahl
Nur nach der Optik entscheiden
Ein Bodengrund kann wunderschön aussehen und trotzdem nicht zum geplanten Besatz passen.
Zu groben Kies für Bodenbewohner wählen
Bei gründelnden oder bodenorientierten Fischen kann feiner, abgerundeter Bodengrund besser geeignet sein.
Naturmaterialien ungeprüft einsetzen
Steine, Kies oder andere Materialien aus der Natur sollten nicht einfach ungeprüft ins Aquarium gegeben werden.
Soil wie normalen Kies behandeln
Aktive Bodengründe haben besondere Eigenschaften. Die Herstellerangaben sollten beachtet werden.
Zu viel Bodengrund einfüllen
Eine sehr dicke Schicht ist nicht automatisch besser. Der Aufbau sollte zur Bepflanzung und Gestaltung passen.
Den Boden ständig komplett reinigen
Zu intensive Reinigung kann die biologische Struktur des Bodengrundes beeinträchtigen.
Welcher Bodengrund passt zu welchem Aquarium?
| Aquarium / Besatz | Häufig geeigneter Bodengrund |
|---|---|
| Gesellschaftsaquarium | feiner bis mittlerer Aquarienkies |
| Stark bepflanztes Aquarium | Soil oder geeigneter Kies mit Nährstoffversorgung |
| Panzerwelse | feiner, abgerundeter Sand |
| Garnelen | je nach Setup neutraler Kies oder aktiver Soil |
| Schnecken | feiner bis mittlerer geeigneter Bodengrund |
| Biotop-Aquarium | abhängig vom natürlichen Lebensraum |
| Aquascaping | häufig Soil |
| Zuchtbecken | abhängig von Art und Zuchtziel |
Diese Übersicht ist bewusst nur eine Orientierung. Die konkreten Ansprüche der jeweiligen Tier- und Pflanzenarten sollten bei der Einrichtung berücksichtigt werden.
Fazit
Aquarienkies, Sand, Soil und andere Bodengründe sind weit mehr als reine Dekoration. Sie beeinflussen das Aussehen des Aquariums, bieten Lebensraum für Mikroorganismen und können je nach Material sogar die Wasserwerte beeinflussen.
Die wichtigste Frage bei der Auswahl lautet deshalb nicht:
„Welcher Bodengrund sieht am schönsten aus?“
Sondern:
„Welcher Bodengrund passt zu meinem Aquarium, meinen Pflanzen und meinen Tieren?“
Für ein klassisches Gesellschaftsaquarium ist feiner bis mittlerer Aquarienkies häufig eine unkomplizierte Lösung. Wer Bodenbewohner wie Panzerwelse pflegt, sollte dagegen besonders auf einen feinen und abgerundeten Bodengrund achten. Für anspruchsvollere Pflanzenaquarien oder Aquascapes kann Soil interessant sein.
Wer den Bodengrund von Anfang an passend zu Besatz und Bepflanzung auswählt, schafft damit eine wichtige Grundlage für ein stabiles und dauerhaft schönes Aquarium.

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